CW-Morsetelegrafie

Die Bedeutung der Telegrafie

Die Morsetelegrafie ist die älteste Betriebsart in der elektrischen Nachrichtenübermittlung. Die Entwicklung des Morse-Codes sowie der ersten Schreibtelegrafen erfolgte bereits in den 30er Jahren des vorletzten Jahrhunderts. Waren die Verbindungen anfangs auf Telegrafenleitungen angewiesen (kabelgebunden), wurde die Morsetelegrafie im vergangenen Jahrhundert schnell die führende Betriebsart in der internationalen Kommunkation. Insbesondere in der Seefahrt haben zig-tausende Menschen ihr Überleben der Telegrafie zu verdanken. Wenn es hieß „alle auf die Rettungsboote“, hatt der Funker seinen Dienst an der Taste zu verrichten und beständig den Notruf inkl. Positionsangabe zu senden. Der erste erfolgreich abgesetzte Seenotruf ist für das Jahr 1909 dokumentiert, wo der damalige Funker der RMS Republic Jack Binns mit einer abgebrochenen Morsetaste ca. 150 sm vor New York Hilfe rufen konnte. Den über 1400 geretteten Passagiere folgten in den folgenden Jahrzehnten zig-tausend weitere. In den 80er Jahren wurde die Morsetelegrafie zunehmend durch moderne Verfahren verdrängt. Ende 1995 stellte die Seefunkstelle Norddeich Radio die Telegrafie für immer ein, der Beruf des Seefunkoffiziers gehörte der Vergangenheit an.

Im Amateurfunk lebt die Telegrafie weiter. Eine kurze Verbindung nach Feierabend in gemütlicher Reisegeschwindigkeit oder aber bei Contesten (Wettkämpfe) in hoher Geschwindigkeit mit über 100 Buchstaben pro Minute.

2014 wurde die Morsetelegrafie in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, die Einstufung als Immaterielles Weltkulturerbe ist beantragt.

Wie weit „geht“ Telegrafie auf Kurzwelle?

Die Ausbreitung der Telegrafiesignale auf Kurzwelle ist Abhängig von der Aktivität der Sonne. Diese schwankt stark in 11-jährigen Zyklen. Im Sonnenfleckenminimum sind Interkontinentalverbindungen selten bzw. erfordern einen höheren Aufwand (Antenne&Leistung). Im Sonnenfleckanmaximum lassen sich alle Kontinente bequem mit geringer Sendeleistung (qrp) sowie einfachen Drahtantennen erreichen.

Folgende Karte zeigt sämtliche Telegrafieverbindungen, welche DL6OCH zwischen 2012 und 2020 abgewickelt hat (5 Watt, insb. G5RV und Dipoldrahtantennen, Standort Kolenfeld).

Herausragend ist eine Verbindung zu der Station ZM4T, Standort Hawkes Bay (Neuseeland) mit einer Entfernung von über 18.000 km (geloggt am 16.10.2016 im WAG-Contest). Zur Zeit befinden wir uns im Sonnenfleckenminimum, deutlich bessere Bedingungen erwarten wir für das kommende Maximum in den Jahren 2024-2026.

Telegrafie im Amateurfunk – Praxisbeispiele

Im Mai 2020 rief DL1YEJ aus Paderborn „CQ“ (allg. Anruf) auf 3,5 MHz. Das Signal war leise, aber in Wunstorf klar lesbar. OM „Sonny“ erklärte während der Verbindung, dass er mit 0,5 Watt und einem selbstgebauten Gerät sendet.

QSO DL1YEJ mit DL6OCH (Mai 2020):

Selbstgebauter Transceiver von DL1YEJ: