Was ist eine „Norddeutsche Mobilfuchsjagd“?

Erläuterungen von Fritz, DF3OW am 21.12.2021

Ca. Ende der 70er Jahre, mit Aufkommen des damaligen 11-Meter-CB-Funks (lizenzfreier Funk für Jedermann auf einem oberen Kurzwellensegment) fanden gelegentlich „Mobilfuchsjagden“ statt, die allerdings nur ansatzweise mit genauen Peilungen arbeiteten, zumal damals dort Richtantennen verboten waren. Meistens orientierte man sich an stärker und schwächer werdenden Feldstärken (in der Art des „Topfschlagens“ beim Kindergeburtstag), um eine bestimmte feste oder fahrende Endstelle ausfindig zu machen. Inzwischen ist der 11-Meter-CB-Funk sehr stark zurückgegangen. Es gibt allerdings noch drei Funkanwendungen für Jedermann ohne eine Amateurfunklizenz zu benötigen, das wären Freenet, PMR und LPD, die jedoch entweder technisch oder juristisch nicht zum Peilen bzw. zu einer Mobilfuchsjagd zu gebrauchen sind.

Im Bereich des weltweiten Amateurfunks haben sich Funkamateure schon lange davor fachlich mit „Mobilfuchsjagden“ beschäftigt. Sie hatten auf Grund ihrer fachlichen Prüfung zum Funkamateur u.a. die Auswahl an verschiedenen Funkbändern und allen Arten von Antennen und deren Polarisationen. Ferner waren sie behördlich ermächtigt, Funkgeräte und Zusatzgeräte selbst zu bauen und dann auch zu betreiben (das gilt bis heute).

So stellte sich im Kreis der Funkamateure im Laufe der Zeit das 2m-Band (145 Megahertz) als bevorzugtes Band für Peilveranstaltungen heraus und man bevorzugte waagerecht liegende Richtantennen.

Diejenigen einzelnen Ortsverbände in Norddeutschland, die die einzelnen „Norddeutschen Mobilfuchsjagden“ ausrichten, haben sich in der Vergangenheit immer näher an die Ausschreibungsbedingungen der „Bremer Nachtfuchsjagd“ angelehnt, welche in der Tat überwiegend in der Dunkelheit stattfindet. um das Ganze noch etwas schwieriger zu machen.

Die Schwierigkeit beginnt an sich schon damit, dass Norddeutsche ihre fünf Peilsendestationen („Peilfüchse“) mit horizontaler Polarisation senden lassen. Damit ist z.B. ein Dopplerpeilsystem überfordert. Letztlich kann man entweder nur „geradeaus auf Maximum“ peilen oder die Winkelhalbierende einer symmetrischen Flankenpeilung nehmen. Am Startort bekommt man einen Landkartenauszug über ein Gebiet von ca. 140 Quadratkilometern und die Anweisung, wo und bis maximal wann die Fernpeilergebnisse des Teils I abzugeben sind.

Teil I (Präzisionsfernpeilungen)
Ab jetzt hat man maximal eine Stunde Zeit um sich einen passenden Ort für die erste Fernpeilung auszusuchen, dorthin zu fahren, sein Equipment aufzubauen und die fünf Peilsender einzeln zur festgelegten Zeit jeweils innerhalb von zwei Minuten (mit einer Wiederholungsrunde von je eine Minute) möglichst haargenau zu peilen.

Dann hat man maximal 1 Stunde Zwischenzeit zum Abbau, der Fahrt zu einem entfernten zweiten Ort, und die Prozedur erfolgt dort nun zum zweiten Mal.

Die sich nun bildenden Schnittpunkte (sog. „Kreuzpeilungen“) werden am Kontrollpunkt im Gelände abgegeben.  Als gutes Ergebnis gilt weniger als 50 m Abweichung pro 5 km Entfernung.

Teil II (Tatsächliches Aufsuchen der Füchse) beginnt
Für 1,5 Stunden erfolgt eine Dauersendung von 3 Peilsendern, die ihre Bezeichnung von „Peilfuchs“ auf „Suchfuchs“ ändern, und (je nach Ausschreibung) auch ihnen bisherigen Standort u.U. wenige Kilometer verändern dürfen, um das Ganze etwas schwieriger zu gestalten.
Gerade Teil II macht am meisten Spaß, es hat etwas von Rallye-Charakter und Orientierungsfahrt. Man lernt, wie trügerisch sich empfangene Signale darstellen, während man sich dem Suchfuchs hoffentlich nähert.  Am Suchfuchs gibt es eine Quittung für die Wertungspunkte des Teils II.

Da das ganze Event nur für die Peil- und Suchfüchse eine Amateurfunklizenz erfordert (die Jäger „empfangen“ nur – und das ist genehmigungsfrei für Jedermann), kann Jedermann an einer Norddeutschen Mobilfuchsjagd teilnehmen. Das ist besonders für betagte Personen interessant, da der „große Bruder“ (die „ARDF“), Laufen im Trainingsanzug im Wald erfordern würde.  Wer Interesse an einer Norddeutschen Mobilfuchsjagd hat und sich zunächst mal näher erkundigen will oder etwas Starthilfe benötigt, kann sich gern an die bisherigen Teilnehmer wenden. Die Allermeisten sind extrem hilfsbereit und geben gern ihr gesamtes Wissen preis (was mich am Anfang sehr erstaunt hat). Es ist eine große Freude, wenn jemand dazustößt.  Man gehört sofort dazu. Bei der Preisverteilung kommt es unter den Jägern kaum auf den Platz an, sondern auf den Erfahrungsaustausch, insbesondere über die soeben zu Ende gegangenen Jagd.

Um dies nochmal zu verdeutlichen:  Als ich 2013 in Delmenhorst zum ersten Mal teilnahm, habe ich nach Teil I entnervt abgebrochen und alle haben versucht mich zu trösten. (Als Hauptfehler zählte, dass ich zu kompliziert Gradzahlbezüge umgerechnet habe). Innerlich habe ich mich aber „als der Sieger des Tages“ gefühlt.  So viel wertvolle Fehler wie an jenem Tag auf einmal (die natürlich alle aufgeklärt und beseitigt wurden) habe ich danach nicht mehr gehabt. Insofern war für mich der Ausgang voll befriedigend, es tat mir nur leid um meinen Beifahrer, der das Missverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis wohl anders empfinden musste. Im Übrigen war schon das Jahr darauf von Erfolgen gekrönt.

Es sind auch nicht immer dieselben Personen, die Vorn liegen. Dafür sorgen sowieso schon genug technische Ausfälle, der große Einfluss an Messverfälschungen durch rotierende Windräder, Überflug von Flugzeugen, Annäherung von Fahrzeugen oder dass der Landwirt der plötzlich sein Wegerecht wahrnehmen will.  Auch Spritmangel, leere Batterie und das Festfahren kommen vor.

Alles in Allem ein mächtiger Spaßfaktor – und für mich ein Rätsel, warum sich kaum jemand traut dazuzustoßen.  Wenn rechtzeitig bekannt, gibt es manchmal auch Mitfahrgelegenheiten.  Hier hilft eine Kontaktaufnahme mit den bisherigen Jägern über die Homepage www.mobilfuchsjagd.de

Immerhin gab es 2021 eine Veranstaltung in einem idealen Wettbewerbsgebiet.
Ich denke es lohnt sich, die kommende Zeit zu nutzen um sich untereinander
kurzzuschließen, technische und betriebliche Ratschläge bei den Jägern einzuholen,
eigenes Equipment zu verbessern und sich, wenn es Ernst wird, wie selbstverständlich
zu den bisherigen Jägern am Startplatz dazuzustellen. Selbst dann, wenn man den
letzten Platz erreicht haben wird, ist man von 83 Millionen Deutschen ganz weit vorn,
da diese – aus welchem Abwehrmotiv auch immer heraus – erst gar nicht teilgenommen haben.

Aktuell müssen wir leider erstmal den weiteren Verlauf der Corona-Krise und die Folgen daraus für längere Zeit abwarten. 21.12.2021 DF3OW